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Antikythira - Die einsame, verlassene Insel der Ägäis

Von leus01

Es ist selbst für Griechen unverständlich, diese Insel zu besuchen. Auskunft eines Tavernenwirts, dessen Großmutter auf Antikythira lebt: 10 Einwohner, keine Taverne, kein Mini Markt zum Einkaufen. Auskunft eines Taxifahrers: 20 Einwohner, 1 Arzt, 1 Polizist, 1 Mini Markt, keine Taverne. Nach diesen Auskünften müssen wir die Insel unbedingt kennen lernen. In der Agentur in Neapolis bekommen wir trotz dreimaliger Rückfrage das Fährticket nur bis Kythira ausgestellt. Ein neuerlicher Kauf des Tickets im Hafen von Kythira erfordert weitere 3 fache Bestätigung. Auf der Fährstrecke Kythira – Antikythira sind wir die einzigen Fahrgäste auf der großen Autofähre.

Ankunft auf Antikythira: Einfahrt in die prächtige Hafenbucht von Potamos. Die ganzen Einwohner der Insel scheinen am Hafen versammelt zu sein. Für griechische Verhältnisse etwas ungewohnt: alle Männer, selbst der Polizist, laufen in kurzen Shorts herum. Das Quartier ist schnell gefunden: bei der Großmutter des Tavernenwirts von Neapolis. An Komfort ist nicht allzu viel zu erwarten. Andererseits ist es das billigste Quartier der letzten Jahre in Griechenland. Ein erster Rundgang durch die wenigen Häuser in Potamos beruhigt uns. Es gibt ein Kafenion mit Mini Markt. Wir werden also nicht hungern und dursten. Anschließend eine herrliche Abkühlung am winzigen Strand am Hafen.

Der Durst und Hunger werden größer: 18:00 Uhr, 19:Uhr, 20:00 Uhr und das Kafenion immer noch geschlossen. Mit den Gedanken, die nächsten Tage einige Kilo abzunehmen, ein letzter Versuch um 20:15. Eine Überraschung: das Kafenion hat geöffnet. Nach der etwas kleinlauten Frage nach Essen lädt uns der Wirt in seine „Küche“ ein: Ein Gaskocher mit 2 Platten und einem großen Topf darauf. Ein kurzer Blick in den Topf: Lamm in Soße. Die Bestellung, incl. Griechischem Salat wird sofort gemacht. Nachdem er das Kafenion alleine betreibt, wird es fast eine Stunde dauern bis das Essen fertig ist. Wir sind vollauf begeistert: wir haben in den alljährlichen Griechenlandurlauben noch nie so gut gegessen. Auch die nächsten 3 Tage konnten das nur bestätigen.

Am nächsten morgen ist eine Inselerkundung geplant. Kaum die Zimmertür geöffnet werden wir von einem vorbei gehenden Bewohner mit einem freundlichen "kalimera" begrüßt. Ein weiteres "kalimera" aus dem benachbarten Garten bzw. ein Anhupen mit anschließendem freundlichem Handgruß aus 2 vorbei fahrenden Autos überzeugen uns von der freundlichen Aufnahme als einzige Besucher der Insel. Nach über 60 besuchten griechischen Inseln ist uns eine so herzliche Aufnahme, während des gesamten Aufenthalts noch nie untergekommen.

Zur Insel selbst: Sie hat einen einzigen Unruheherd, den Dieselgenerator zur Stromerzeugung. Sonst gibt es auf dieser Insel nur Ruhe, Ruhe und wieder Ruhe. Zwei schöne verlassene Strände laden zum Baden ein. Wer die Schönheit der Natur genießen will, sich an der Farbenpracht der vielen Schmetterlinge und der Gesänge der Vögel erfreuen kann, ist auf dieser Insel bestens aufgehoben.

Die Insel ist wie viele andere kleine griechische Inseln vom Aussterben bedroht. Es gibt kaum Frauen auf dieser Insel (auch keine ältere Frauen). Unter den ca. 45 Bewohnern sind nur ungefähr 10 Frauen. Selbst die jüngeren Männer (es gibt einige 20 – 40 Jährige) führen einen Männerhaushalt. Wir haben auf keiner Insel soviel selbst waschende, putzende und kochende Männer gesehen wie auf Antikythira.

Die 4 Tage Antikythira waren bis jetzt eine der schönsten und einprägsamsten Aufenthalte auf einer griechischen Insel. Die Freude des Besuches „Ihrer“ Insel haben uns die Bewohner bis zu letzt spüren lassen. Als Individualreisender, abseits des Pauschaltourismus kann die Insel jedem Naturliebhaber und Ruhesuchenden empfohlen werden. Wir werden bald wieder kommen.

Geschrieben 20.06.2008, Geändert 27.06.2008, 10923 x gelesen.

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Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar von wilf vom 13.12.2009 17:39:40

Schön, dass es so was Schönes noch gibt und Danke für den Bericht.
Wilf


Kommentar von printy vom 02.07.2008 16:58:35

Also, wenn man das so liest,

dann wird man diese schöne Insel besuchen müssen, toller Artikel.

Dieter


Kommentar von Arion vom 27.06.2008 08:32:43

Toller Bericht,Stefan !

Diese Insel muß auch ich unbedingt zu Gesicht bekommen.

Danke und LG

Arion