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Trikala - Sommerfrische oder Winterurlaub am Ziria

Von Monopathia

Von der Küste ist man innerhalb von einer guten halben Stunde mit dem Auto in den Bergdörfern an der Nordseite des Ziria (auch Killini genannt). Man erreicht diese Region über die Zufahrt zur Nationalstraße Richtung Athen, von der man nach links in das Tal des Sythas abzweigt. Die Ausschilderung zu den Dörfern ist verlässlich, aber etwas unscheinbar.

Der Sythas genannte, im zentralen Ziria auf 1700 m Höhe entspringende Bach, hat im aus Mergel gebildeten Vorgebirge ein Tal geschaffen, das in dieser Größe und Form auf dem Peloponnes einzigartig ist. Diesem Tal folgt die Straße, vorbei an ausgefransten und vielgliedrigen Hängen und Felsbrüchen, hinauf in eine Region, die in der Antike der Hauptsitz des arkadischen Hermes Kults war.

Die Gemeinden Manna und Trikala sind die höchstgelegenen Orte an der Nordflanke des Ziria. Jeweils in einer Höhe von ca 1000 Metern werden sie durch die Flambouritsa genannte große Ziriaschlucht voneinander getrennt. Während der Tourismus die Gemeinde Manna noch nicht erreicht hat, sind die drei Ortsteile der Gemeinde Trikala (Kato, Messeio und Ano T. - das untere, mittlere und obere T.) in den vergangenen 10 Jahren aus ihrer Vergessenheit erwacht. Grund dafür ist der Boom, den der Winterurlaub in Griechenland in dieser Zeit erfahren hat. In Kombination damit stehen die Lage und die klimatischen Besonderheiten der Region. Auf gerade einmal 14 km Luftlinie ist es vom Golf von Korinth aus bis zu den Ziria Gipfeln möglich alle Klima-, und Pflanzenzonen Europas, von der subtropisch-mediterranen bis zur alpin-subarktischen an einem Tag, wenn man möchte sogar zu Fuß zu durchqueren.

Zu diesen landschaftlichen und klimatischen Vorzügen kommen verkehrstechnische. Von Athen aus erreicht man Trikala in ca. zwei Stunden mit dem Auto über die gut ausgebaute Nationalstraße nach Patras und die frei von Durchgangsverkehr verlaufende, gut ausgebaute Stichstraße durch das Sythas Tal. Andere Winterurlaubsorte, so z.B. Kalavrita und der Helmos oder Arachova und der Parnassos sind von Athen aus nicht so zügig zu erreichen, was zu einem Standortvorteil geführt hat. Ab Mitte Dezember bis zum April kann man in Trikala mit Schnee rechnen. Oberhalb von Trikala liegt in einer Höhe von ca 1.500 Metern das Oropeitheio Ziria (Ziria Plateu) ein Wintersportgebiet, das über eine gute Asphaltstraßenanbindung vom Ort aus in kurzer Zeit zu erreichen ist. Der Andrang der Winterurlauber hat so in den letzten Jahren für eine rege Bautätigkeit an Hotels, Pensionen, Restaurants und Cafes vor allem in den Ortsteilen Ano und Messeio Trikala geführt.

Die landschaftlich-klimatische Vielfalt und die im traditionellen Baustil gehaltene und noch weiter entstehende touristische Infrastruktur bietet sich auch jedem an, der im Sommer mehr erleben möchte, als nur „Beachlife“ und dies als zeitnaher Kombipack der Möglichkeiten auf kürzester Distanz. Während in Xilokastro im Juli und August der Strand bei Temperaturen ab 30 Grad mit viel Leben lockt und der Tourismus seine Wellen schlägt, geht es in Trikala ruhig zu, der Aufenthalt hat einen dörflichen Charakter, die Zahl der Sommergäste ist überschaubar und auch die Lufttemperatur überschreitet selten die 25 Grad Marke und damit die Grenze zur Bildung von Schweißbächen.

In Trikala sind eine ansehnliche An-zahl von im traditionellen Stil gehaltenen Möglichkeiten zur Übernachtung und zur Einkehr entstanden. Hier seien insbsondere das Alphavitario (ehemalige Dorfschule in Messeio Trikala) und das Aeriko (an der Straße von Ano Trikala nach Manna) als Möglichkeiten erwähnt, den Abend einzuläuten oder ausklingen zu lassen.

Zu den erwähnens- und besuchenswerten Örtlichkeiten gehört in Ano Trikala, auch wenn man nicht beabsichtigt dort die Nacht zu verbringen, das Hotel Pigi Tarlamba. Es liegt oberhalb des Ortszentrums und ist leicht über eine schmale, asphaltierte Straße zu erreichen, die am Ortseingang von Ano Trikala (wenn man von Xilokastro kommt) nach rechts bergan führt. Ein großes Hinweisschild ist leider nur in griechischer Schrift gehalten, so dass es für den ausländischen Durchschnittsbesucher kaum von Nutzen ist.

Mit viel Sorgfalt und Respekt vor der Familientradition ist es von der jetzt in der vierten Generation in Ano Trikala lebenden Familie Kissas in den Jahren 1999 bis 2002 (dem Urenkel des ursprünglichen Gründers aus den 20er Jahren des vorherigen Jahrhunderts) unter weitgehender Beibehaltung des ursprünglichen Grundrisses und unter Wiederverwendung der ursprünglichen Baumaterialien restauriert worden. Mit viel Aufwand wurde das alte Gebäude abgetragen, die noch brauchbaren Materialien gesichtet und sortiert, der nach der Gründung in den 20er Jahren gepflanzte Baumbestand integriert und das neue Gebäude dem heutigen Standard entsprechend erbaut.

Im Gegensatz zur heutigen Nutzung durch Winterurlauber kamen die Gäste bis in die 70er Jahre des letzten Jahrhunderts zur Sommerfrische in die Berge. In den Anfangszeiten des Hotelbetriebes in den Jahren ab 1933, als das Hotel in seiner ursprünglichen Form fertiggestellt war, flüchteten viele Griechen im Sommer vor dem ungesunden Klima der Ebenen und der Küsten in die Berge. Die Reise erfolgte zu dieser Zeit noch zu Fuß oder zu Pferde. Eine Straßenanbindung entstand erst im zweiten Weltkrieg zur Versorgung eines Wehrmachtslagers unter Befehl der Deutschen, die aber an diesem Ort scheinbar keine Kriegsverbrechen, wie in Kalavrita und Distomo und an vielen anderen Orten Griechenlands begangen haben. Der ursprüngliche Tourismus erholte sich in den 50er Jahren wieder. Seit den 70er Jahren zog es die Griechen im Sommer aber nicht mehr in die Berge, sondern zunehmend an die Küsten und auf die Inseln. Das Hotel stellte seinen Betrieb in den 80er Jahren ein. Erst Anfang 1999 unter dem Eindruck des Wintertourismus begann dann Kostas Kissas, der Urenkel der Gründer, mit seiner Frau Maria das Hotel wiederzubeleben. Ein Stück Geschichte zum „anfassen“, z.B. in Form des restaurierten Fließenbodens oder in Form der ursprünglichen elektrischen Schaltanlage, die wiederverwendet worden ist. Allein dies zu sehen ist es schon wert, Trikala einen Besuch abzustatten. Vielleicht verguckt man sich ja auch in den Ort und bleibt einige Tage. Verdient hat er es.

Infos

Kartenempfehlung: Road Edition Nr. 4, Central Greece
Hoteltipp: Pigi Tarlamba 0030 27430 91267, Maria Kissas spricht Englisch

Link

Hotel Tarlamba

Geschrieben 02.10.2004, Geändert 02.10.2004, 1763 x gelesen.

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